Missabougou | Gottesdienst mit Abendmahl und Genderdebatte

Es macht Spaß, in gut gefüllten Gottesdiensten zu sitzen, in bekannte Gesichter zu schauen, Gemeinschaft zu genießen und - Gott zu feiern. Heute waren wir in Missabougou, einer unserer Partnergemeinden der UEPEM. Der Pastor hatte mich zum Predigen eingeladen. Er ist einer meiner ehemaligen Studenten und heute Gemeindepastor und Präses des Gemeindedistrikts. 
Ca. 400 Leute hatten sich in die Holzbänke eingereiht, wie immer in ihren bunten Kleidern, Kinder, Frauen und Männer "säuberlich getrennt". Das ist hier so üblich. 
Ca. 70 Kinder saßen direkt vor der Bühne auf Bänken und Matten. 
Vor der Predigt wurden sie von der ganzen Gemeinde mit einem Lied in ihren Kindergottesdienst verabschiedet. Der Pastor erzählte uns beim anschließenden Mittagessen in seinem Salon, dass die Kinder regelmäßig Geld zusammenlegen und ihren diesjährigen Ausflug nach Sibi selber finanziert haben. Das fanden wir klasse. 
Heute hatten wir die seltene Gelegenheit nach der Predigt, am Herrenmahl (Eucharistiefeier) teilzunehmen. Hier wurde ausführlich anhand der Evangelientexte und des 1. Korintherbriefes erklärt um was es geht. Speziell wurde, gemäß den Regeln des Gemeindebundes, darauf verwiesen, dass nur getaufte Gemeindemitglieder teilnehmen dürfen. In Stücke zerteiltes Baguette in Plastiktellern und eine rötliche Brause, in kleine Becher gefüllt, wurden auf Tabletts im Raum verteilt, während die Gemeinde einige Lieder anstimmte.

In Missabougou gibt es zwei Chöre - einen frankophonen und einen bamanaphonen. Bei dem Lied in französischer Sprache fiel mir auf, dass die Sänger versuchten, sich mit ihren Körperbewegungen an die etwas gesetztere Melodie anzupassen. Doch irgendwie wollten sich die Füße und Hände schneller bewegen als es der Takt vorgab. Bei den Liedern, die von einheimischen Komponisten stammen und die in der Landessprache gesungen werden, fließen Rhythmus, Takt und Gesang viel stärker ineinander. Es wirkt natürlicher und dynamischer.
Die Plaudereien nach dem Gottesdienst sind immer sehr aufschlussreich. Einige junge Leute interessierten sich für das Ausbildungsangebot an der FATMES (unserer theolog. Fachschule für ev. Theologie und Missionswissenschaft). 
Beim Mittagessen ging es u.a. um die sportmissionarische Arbeit und irgendwann wollte ich vom Gemeindepastor wissen, wie stark die Genderdebatte schon in Mali und den christlichen Gemeinden angekommen ist. "Hier geht es weniger um individuelle Entscheidungsfreiheit, die biologische und soziologische Geschlechterrollen beeinflussen bzw. verändern, sondern grundsätzlich um das Verhältnis zwischen Mann und Frau", so Pastor Diarra. Hier kommt (noch) keiner auf die Idee, sich die Freiheit zu nehmen, sein Geschlecht aufgrund emotionaler Befindlichkeiten oder sozialer Umstände irgendwie selber bestimmen zu wollen. Natürlich gibt es in Mali auch Zwitter (Bambara: cetemusote, wörtl. weder Mann noch Frau). Wie man mit ihnen umgehen würde, wollte ich wissen. "Sie werden meist marginalisiert", so unser Gesprächspartner. "Sie vereinsamen. Keiner will etwas mit ihnen zu tun haben". 
Aus dem Gespräch schließe ich, dass in Mali einerseits eine noch sehr naturverbundene, von menschlichen Emotionen oder Ideologien unabhängige Auffassung über die Geschlechter besteht. Andererseits tun sich die Malier sehr schwer, mit Minderheiten und ihrer Meinung nach von der Natur abweichenden Gruppen umzugehen.  

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