Posts

Mali - digitale Technologie, junge Generation und Kirche

Bild
Fast alle Jugendlichen in Mali verfügen über ein Smartphone und einen entsprechenden Internetzugang, der einfach über Prepaid-Karten ermöglicht wird. Die Jugendlichen verbringen viel Zeit damit, mit dem Smartphone im Internet zu surfen. Die Nutzung digitaler Technologien hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Die Chancen und Risiken sind in Mali ähnlich wie in anderen Gesellschaften. Ich wollte von Noé D. wissen, wie er den Umgang mit digitalen Medien und neuen Technologien speziell im kirchlichen Bereich einschätzt. Noé ist seit Jahren kreativer Medienmacher und Mitorganisator christlicher Veranstaltungen. Er ist Künstler, Dichter und Musiker, Solist und Chorleiter. Noé verfügt über viele Fähigkeiten, die für die Bearbeitung und den Einsatz von Software notwendig sind. Zusammen mit Freunden betreibt er ein Tonstudio in der malischen Hauptstadt Bamako, in dem er eigene Produktionen und die seiner Freunde aufnimmt. Bei der Gestaltung seiner Medien wie Werbeclips oder Musikvideos se...

Die Bartrasur und die Suche nach dem ganz normalen Missionar

Bild
  Bei der letzten Bartrasur sah ich einen Mann mit weißem Bart im Spiegel und dachte: Da hast du aber ein paar Runden drehen müssen, um so weit zu kommen. Eingefärbt durch die eigene Biografie. Eine rein biologische, chronologische Tatsache. Und ein bisschen philosophisch: Wer sich dem Leben aussetzt und es intensiv gestaltet, der wird auch von ihm "gezeichnet". Das Leben formt, und je intensiver man lebt, desto tiefer werden die Falten des Profils. So ist das. Das ist ganz normal. Glücklicherweise haben wir seit vielen Jahren in einer Kultur gelebt, in der Alter und Erfahrung, Falten und graue Haare geschätzt und respektiert werden. Das hat dem Selbstbewusstsein nicht geschadet. In der aktuellen Entwicklung in Deutschland stürzen sich Soziologen und Unternehmer auf die Jugend der Generation Z (je nach Autor auch Zoomers genannt, Jahrgänge 1996-2012), die es für die Zukunft zu gewinnen, mehr noch, an die es sich anzupassen gilt. Ich bin skeptisch gegenüber pauschalen Kategori...

Den Sinn des Leides mitten im Leben entdecken

Bild
Es war ein Wagnis, und es war eine gute Erfahrung. Am 3. Februar war ich von unserer Partnergemeinde in Medenbach eingeladen, ein Seminar zum Thema Leid zu gestalten. Von 10 bis 15 Uhr haben wir zusammengesessen. Seit der Demenzdiagnose von meiner Frau hat mich das Thema existentiell beschäftigt. Im Laufe der Zeit sind Gedanken, Erkenntnisse in Kopf und Herz gereift. Lange Zeit habe ich nicht den Mut gehabt, darüber öffentlich zu reden. Die Emotionen ließen es nicht zu. Der Kopf war noch nicht frei genug. Die Frage nach dem Warum stand nie im Vordergrund. Ich wollte vielmehr wissen, wie ich Leid in einen größeren Zusammenhang einordnen und als Betroffener den Sinn des Leids mitten im Leben entdecken und damit umgehen kann. Ich wollte, dass das Leben weitergeht und die Erinnerung an schöne Zeiten nicht verblasst. Den Wert des Leids erfassen lernen und mich mit dem Leiden versöhnen, das wolle ich lernen. Ich machte mich auf Spurensuche in der Bibel und Theologie und in den Erfahrungswel...

Koloniale Geister besiegen - 1. Der Kulturkampf und die alten weißen Männer

Bild
Die kritische Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit ist in unserer Gesellschaft angekommen. Dort sind seriöse Analysten und "kämpferische Frontenkrieger" gleichermaßen am Werk. Missionare beschäftigt die koloniale Vergangenheit schon sehr lange, nicht erst seit dem, angestoßen durch die aktuelle Rassismus-Debatte, auch die koloniale Vergangenheit neu in den Blick kommt. Die Redakteure von Move, dem Magazin der Allianz-Mission, haben dieses Thema aufgegriffen und im Anschluss an einen von mir verfassten Artikel mit dem Titel „ Koloniale Geister besiegen“ ein paar Fragen gestellt, auf die ich gerne eingehe.  Simon D., (Allianz-Mission): Alfred, Du und ich, wir sind "alte weiße Männer". Damit sind wir in vielerlei Hinsicht privilegiert ... Alfred: Danke für das Kompliment, aber da muss ich mal kurz einhaken. Zunächst ist es eine ganz simple demografische Tatsache, dass die Bevölkerung in Europa altert und die Gesellschaften des globalen Südens im Durchs...

Koloniale Geister besiegen - 2. Von Privilegien und Verzicht

Bild
Simon D. (AM): Alfred, wann ist Dir zum ersten Mal bewusst geworden, dass Du als Missionar aus dem Westen privilegiert bist?  Alfred: Privilegiert bin ich im positiven Sinne. So richtig bewusst geworden ist mir das im Rahmen der Reflexionen zu meiner Doktorarbeit mit dem Titel "Freiheit zum Verzicht", Ende der 1990er Jahre. Ich bin als Missionar aus Deutschland ein privilegierter Outsider und jemand, der die Freiheit hat, verantwortlich mit Privilegien umzugehen und, wenn erforderlich, auf sie zu verzichten. Ich bin Mitglied einer Organisation, die mich umsorgt, die sich um die Finanzierung der Schulbildung meiner Kinder kümmert und mich in medizinischen Notfällen herausholt.  Simon D. (AM): Kannst Du konkrete Beispiele nennen, wo Ihr als Familie auf Privilegien verzichtet habt? Alfred: Lass mich überlegen. Ich erinnere mich an die Zeit der Schwangerschaft unserer beiden jüngsten Kinder. Wir haben darauf verzichtet, zur Entbindung nach Deutschland zu fliegen, sonder...

Koloniale Geister besiegen - 3. Von Kunstschätzen und Gesten der Wiedergutmachung

Bild
Simon D. (AM): Kolonialismus taucht heute oft in den Nachrichten auf, wenn es um geraubte Kunstschätze, verschleppte und versklavte Vorfahren oder zerstörte indigene Kulturen geht. Aber konkret für diejenigen, die das nicht so genau einordnen können: Über welche Zeit und welche Länder reden wir? Alfred: Seit Beginn des europäischen Kolonialismus im 16. Jahrhundert ist es zu Raubzügen gekommen, wo wertvolle Gegenstände, darunter Kultgegenstände,  geraubt und außer Landes gebracht wurden, z.B. aus Mexiko und anderen südamerikanischen Staaten. Dabei haben Westler die Profanisierung heiliger Stätten in Kauf genommen. Im afrikanischen Kontext sind die Bronzestatuen aus Benin zum Symbol  kolonialistischer Strafexpeditionen geworden. Das war gegen Ende des 19. Jahrhunderts, in der Hochzeit des imperialen Kolonialismus. Im Naturhistorischen Museum in Nürnberg z.B. lagern ca. 3.000 Südsee-Exponate - Masken, Boote, Köpfe und Figuren. Sie wurden von deutschen Kolonialtrup...

Koloniale Geister besiegen - 4. Auswirkungen des Kolonialismus in Mali

Bild
Simon D. (AM): Ihr seid vor 36 Jahren als Missionare nach Mali gegangen und seid bis heute von Deutschland aus für Mali aktiv. Wo habt ihr die Auswirkungen des französischen Kolonialismus in Mali erlebt? Alfred: Ganz neutral formuliert funktioniert die malische Verwaltung nach den Prinzipien der in der Zeit der französischen Besatzung eingeführten Mechanismen. Als wir nach Mali kamen, dienten die alten Kolonialgebäude der Franzosen als Verwaltungsgebäude des unabhängigen Malis. Der malische Präsident residiert im alten französischen Gouverneurspalast in Koulouba, einem Hügel nahe der Hauptstadt Bamako. Konkret hat z.B. die in Satzung gegossenen Rechtsprechung einen höheren Stellenwert als die traditionelle Gesetzgebung oder Schlichtungsbeschlüsse in den Regionen in Bezug auf Familienrecht oder Grundstücksangelegenheiten. Das Schulsystem ist eine Errungenschaft der Kolonialzeit. Das ganze Wirtschaftssystem funktioniert in den Kategorien der ehemaligen Kolonialherren. Die...

Unser Partner

Schule in Sabalibougou

SPENDENFORMULAR

Spendenkonto

Spar- und Kreditbank Witten

IBAN: DE86452604750009110900
BIC: GENODEM1BFG

Zweck: Meier - Mali