vendredi 10 février 2017

Migration | die Stimme gegen unfaire Praktiken in der Flüchtlingspolitik erheben

AUFRUF

Ich wünsche mir, dass christliche Leiter und Führungspersönlichkeiten, entsprechend dem Vorbild des Protestbriefes der 500 evangelischen Leiter und Pastoren in den Vereinigten Staaten, auf politische Entscheidungsträger in Deutschland Einfluss nehmen, wenn es um unfaire Praktiken in der Flüchtlingspolitik geht. Und wie kann das geschehen?

Wir müssen unsere Stimme für die Benachteiligten erheben und unsere sozialen Netzwerke und andere öffentliche Plattformen weniger zur eigenen Darstellung und Profilierung nutzen. 
  • Es gilt, der Sorge Ausdruck zu verleihen, dass die Abschiebung von Asylbewerbern in unsichere Transit- oder Ursprungsländer, trotz der berechtigten Sorge um die Sicherheit im eigenen Land, unverantwortlich ist und nicht mit unserer Auffassung von Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten vereinbar ist. 
  • Darüber hinaus sollte darauf hingewiesen werden, dass die Strategie der Fluchtursachenbekämpfung mit den Methoden der klassischen Entwicklungshilfe zu kurz greift.  
  • Als Christen haben wir nicht nur die Aufgabe, den vom Schicksal benachteiligten Menschen zu dienen und ihnen diakonische Hilfe anzubieten. Wir haben auch die Aufgabe, auf benachteiligende und unfaire Rahmenbedingungen aufmerksam zu machen und auf deren Umgestaltung zu drängen.

VERPFLICHTUNGEN

Warum wir als westliche Zivilgesellschaft, Politiker und Kirchen verpflichtet sind, uns in der Flüchtlingskrise konstruktiv zu engagieren.

Wir haben eine historische Verpflichtung
  • Weil Menschen aus westlichen Gesellschaften und Religionsgemeinschaften in der kolonialen Epoche wie selbstverständlich ihre Zuflucht in der neuen Welt außerhalb Europas gesucht und sich mit ihrer strategischen und militärischen Überlegenheit neue Räume erobert haben.
Wir haben eine moralische Verpflichtung
  • Weil die von westlichen Nationen proklamierten Menschenrechte und christlichen Werte den Rückzug aus der Verantwortung und die Abschiebung in Krisengebiete verbietet und eine Politik der Barmherzigkeit gebietet.
Wir haben eine politische Verpflichtung
  • Weil Flucht- und Migrationsbewegungen in Regionen ihren Ursprung nehmen, die durch politische und militärische Einflussnahme westlicher Länder destabilisiert wurden.
Wir haben eine wirtschaftliche Verpflichtung
  • Weil die Hoffnungslosigkeit in armen Ländern durch die von westlichen Ländern und multinationalen Unternehmen dominierte unfaire Wirtschafts- und Handelspolitik mit verschuldet wird.

PLÄDOYER
  • Ich befürchte, dass die von vielen Menschen beschworene Willkommenskultur sich allmählich in eine politisch korrekte Abschiebekultur verwandelt.
  • Fluchtursachen können aus meiner Sicht nur an der Basis behoben werden, d.h. in den armen Ländern und in den Etagen derer, die die globalen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gestalten. Die merkelschen Stippvisiten in den Ländern Afrikas reichen zwar, um Checks zu überreichen und die politische Elite zu beruhigen, aber Fluchtursachen können so nicht behoben werden.
  • Ich plädiere für ein stärkeres politisches Gewissen und Engagement in der christlichen Missionsarbeit mit dem Ziel, die vorhandenen Netzwerke zu mobilisieren und die Rahmenbedingungen zu verändern statt nur Symptome mit einem Herzen voller Barmherzigkeit zu behandeln.
  • Wir haben unsere Stimme für die innerhalb oder außerhalb unserer Grenzen zu erheben, die keine haben, oder die nicht gehört werden. Wir haben das Recht und die Pflicht, unsere Stimme gegen die Herrschaft der Dominanten zu erheben, die nur ihre eigene Größe im Sinn haben und sich nur halbherzig für das Wohl der Benachteiligten engagieren. Konkret: Für Politiker zu beten und sich zu Gebetstreffen einladen zu lassen ohne gleichzeitg auf moralisch nicht zu rechtfertigende Vorgehensweisen hinzuweisen, das nenne ich halbherzig.
  • In unserem sozialpolitischen und diakonischen Engagement entscheidet sich die Glaubwürdigkeit unseres Glaubens an den Gott, der ein Gott der Tat ist, an der Seite der Schwachen. Gott ist ein Gott der Mülltonnen, der Ghettos, der armseligen Hütten und überfüllten Flüchtlingslager.

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