Mittwoch, 25. Januar 2017

Bamako | der Tanz mit den Strukturen

Die Strukturen. Wir brauchen sie. Wir schaffen sie. Sie "schaffen" uns. Manchmal sind sie uns eine Hilfe. Manchmal werden sie zur Qual, und man fühlt sich von ihnen wie in einer Zelle gefangen gesetzt. Das Geflecht der verschiedenen kirchlichen Strukturen, die sich in Mali um eine effektive Medienarbeit bemühen, ist nicht nur ziemlich kompliziert, sondern auch vom Geist der Konkurrenz überschattet. So ist es logisch, dass die Menschen, die hier zum Tanz antreten, sich ab und zu auf die Füße treten und so ...
die Zusammenarbeit erschweren. Das ist Schade. Denn gerade die Medienarbeit (Radio, Fernsehen, Studioaufnahmen u.a.) ist sowohl kompliziert als auch technisch und finanziell aufwendig, was eigentlich jeder einsehen müsste. Alleingänge enden irgendwann im Sandloch.
Heute haben wir uns in einem Gespräch mit den Verantwortlichen der ACCM (Verein für christliche Kommunikation in Mali und Betreiber einer Radiostation) und der Arbeitsgruppe Medien der Ev. Allianz in Mali auf deren Bitten darum bemüht, zu vermitteln und eine zukunftsweisende Struktur zu entwickeln. Das neue Modell soll einerseits Energien und technischen Aufwand bündeln und anderseits jeden das Gesicht wahren lassen, was in Mali enorm wichtig ist. Das ist ein administrativer und kultureller Spagat, der es in sich hat. Hinzu kommt, dass die Räume, in denen die ACCM zurzeit untergebracht ist, nur angemietet sind und mittelfristig Eigenbedarf angemeldet wurde. Die Ev. Allianz andererseits hat keine eigenen Räume, wo sie ein Studio betreiben könnte. Die Fragen und Unsicherheiten häuften sich, und so haben wir uns auf die Suche nach Lösungen gemacht.
Das Treffen begann mit einer Stunde Verspätung. Pastor Pierre hatte noch einen Trauerbesuch zu machen. Soziale Härten haben Priorität. Zwischendurch rief eine Dame an, die wollte, dass der Pastor unbedingt vorbeikommen solle. Die Damen des Hauses lagen im Streit. Das ist pastoraler Alltag in Mali. Bei einem anderen Telefonat rief ein naher Verwandter an, ein Nichtchrist, der meinte, er wolle jetzt doch Christ werden, nachdem seine Frau nach längerem Gebet geheilt worden war. 
Diese Unterbrechungen haben uns nicht daran gehindert, konstruktiv miteinander zu reden und konzentriert unsere Gedanken auszutauschen. 
Der Tanz mit den Strukturen war von einem gemeinsamen Rhythmus geprägt. Dafür sind wir Gott sehr dankbar. Die beiden beteiligten Pastoren haben gemeinsam studiert, sowohl an der Bibelschule in Bougouni, als auch an der FATMES, wo sie meine Schüler und Studenten waren. Sie sind etwa gleich alt und wissen, was auf dem Spiel steht. Harmonie und eine gemeinsame Basis der Zusammenarbeit erhöht die Möglichkeit, Partner für das Erreichen der angestrebten Ziele zu gewinnen. Wir werden sehen, ob wir in der FATMES (Fachschule für ev. Theologie und Mission) geeignete Räume für ein Studio finden. Die FATMES ist eine unabhängige überkonfessionelle Einrichtung und hat genug Platz. Wir haben uns auf ein Konzept verständigt, von dem wir hoffen, dass die Chefs und Mitglieder der Exekutivgremien zustimmen könnten. Jetzt hoffen und beten wir, dass der Prozess der Umstrukturierung ein gutes Ende nimmt.
Eine gut organisierte Medienarbeit und hochwertige Programme sind für die christliche Minderheit im mehrheitlich islamischen Mali enorm wichtig. Es ist für die Gemeinden ein riesiges Privileg, sowohl im öffentlich-rechtlichen Fernsehen als auch im Radio christliche Sendungen ausstrahlen zu können. Dieses Vorrecht sollte durch persönliche Animositäten und Konkurrenzgetue nicht leichtfertig verspielt werden.