Sonntag, 8. November 2015

Sabalibougou | Gott geht auf Menschen zu

Während wir uns gestern noch über die schwerfälligen Wege gemeindeinterner Strukturen geärgert haben, können wir uns heute umso mehr freuen. Gott geht unkonventionelle Wege, an Strukturen und Gremien vorbei und kommt dabei an sein Ziel. Mitten auf diesen Wegen begegnet er Menschen und ruft sie zu sich. Um kurz vor 11 Uhr ruft uns Pierre an, ein junger Christ aus unserer Gemeinde in Sabalibougou. „Kannst du schnell kommen. Ich habe hier einen Freund aus der Nachbarschaft, der sich für ein Leben mit Jesus entscheiden möchte.“ Ein seltsamer und gleichzeitig erfreulicher „Notruf“. Alfred und Lukas machen sich fertig und fahren hin.
Der 14-jährige Teenager möchte, dass seine Bekehrung im Dorf nicht an die große Glocke gehängt wird und sein Name genannt wird. Deshalb treffen wir uns an einem relativ neutralen Ort an der christlichen Schule im Dorf. Wir hatten während der Bibeltreffs Pierre dazu ermutigt, den Kontakt mit seinen nichtchristlichen Freunden aus dem Dorf zu pflegen und ihnen einfach das weiterzugeben, was er selber vom christlichen Glauben weiß. Wir hatten unsere Telefonnummern ausgetauscht und ihm angeboten, uns zu kontaktieren, wenn er Hilfestellung benötigt. Heute war der Tag. Wir trafen uns. Auf Bambara erklärte Alfred im Laufe des Gesprächs, auf was es Gott im Umgang mit Menschen ankommt, was ihn motiviert, warum Jesus in die Welt kam und wie ein Mensch Christ werden kann. Im Gespräch stellte sich heraus, dass Pierre schon gute „Vorarbeit“ geleistet hatte. Es müssen nicht immer die pastoralen Profis sein, die Gespräche über den Glauben führen. Jeder Christ ist Zeuge Jesu und kann das weitergeben, was er verstanden und erlebt hat. Im Gespräch gingen wir einige Bibelstellen durch und haben dann ein Bekehrungsgebet gesprochen. Ab heute gibt es in Gottes Reich einen neuen Jünger Jesu.

Es macht nichts aus, wenn Menschen, die im islamischen Kontext zum Glauben finden, nicht direkt an einem Gottesdienst teilnehmen. Gemeinde kann auch zu Hause oder auf der Veranda eines neutralen Gebäudes oder unter freiem Himmel an einen Baum angelehnt unkonventionell und ohne ausgefeilte Liturgie stattfinden. Jesus hat seine Jünger in erster Linie in die Gemeinschaft mit ihm berufen und nicht in eine religiöse Organisation. Und jetzt beten wir kräftig, dass der Teenager im Glauben Fuß fasst und seiner Entscheidung und Jesus treu bleibt. Der Anschluss an die Gemeinde hat noch Zeit.