Samstag, 7. November 2015

Nicht entmutigen lassen auf steinigen Wegen

« Wenn es eben geht, versuche ich meine pastorale Freiheit auszuschöpfen und Pläne und Ideen so zu realisieren, dass ich sie nicht unbedingt mit den Gremien des Gemeindebundes abstimmen muss“. Dieses Statement stammt nicht von einem gefrusteten westlichen Missionar, dem der langsame Arbeitsrhythmus malischer Kirchengremien und die mangelhafte Kommunikation auf den Senkel gehen. Ein „hoher Funktionär“ unseres malischen Partnerbundes der UEPEM (Union des Eglises Protestantes Evangéliques au Mali) hat diesen Satz so formuliert. Das hat uns hellhörig gemacht. Er trifft ungefähr das Gefühl, was sich auch in unseren Herzen und Köpfen in der letzten Zeit immer wieder breit gemacht hat. Strukturen und Gremien sind in einem Gemeindebund durchaus wichtig. Ohne klare Entscheidungen und Absprachen kehrt das Chaos ein. Ein Problem sehen wir allerdings darin, wenn Entscheidungsträger mit der Umsetzung einer Idee nichts zu tun haben und dennoch alles unter Kontrolle haben wollen. Unzählige Sitzungen werden organisiert. Es wird diskutiert. Es werden Protokolle geschrieben, die kaum einer liest oder in Staub und Aktentaschen Versteck spielen. Die Kommunikation kommt so ins Stocken und Missverständnisse sind damit vorprogrammiert. Am Ende sind diejenigen gefrustet, die anpacken wollen und auf „grünes Licht“ warten. Wenn zuviel Kontrolle und Rechenschaftspflicht das Vertrauen in die Initiativen und die Bewegungsfreiheit engagierter Mitarbeiter überlagern, dann geht die Freude an der Arbeit verloren.
Strukturen und Gremien erfüllen keinen Selbstzweck. Sie sind dazu da, Mitarbeiter zu ermutigen, deren Ideen und Arbeit zu koordinieren und kreativ zu begleiten. Strukturen sind um der Menschen willen da und nicht umgekehrt. In Mali kommen uns manchmal Zweifel, ob dem so ist. Es kann nicht sein, dass eine Initiative erst dann gut ist und als durchführbar gehalten wird, wenn irgendein Vorsitzender oder Gremienmitglied sein Ja gegeben hat. 
Am Beispiel des Versuchs, die Arbeit der Sportmission in die Gemeindestrukturen zu integrieren, haben wir gemerkt, wie ineffizient und schwerfällig die Strukturen unseres Partnerbundes sind. Den anfangs zitierten Satz unseres Kollegen können wir gut nachvolliehen. Jedoch liegt die Lösung nicht im Alleingang.
Ideen isoliert von bestehenden Gemeindestrukturen oder malischen Partnern umzusetzen ist für uns als Missionare keine Alternative. Wir halten an der grundsätzlichen Bedeutung des integrierten Arbeitens fest. Missionare kommen und gehen. Nicht integrierte Initiativen stehen irgendwann isoliert in der staubigen Landschaft und gehen unter. Deshalb müssen wir den oft mühsamen Weg der Absprachen mitgehen und Gott dabei bitten, dass am Ende die Freude an der gemeinsamen Umsetzung gemeinsamer Ziele das Gefühl der Entmutigung übertrumpft.