vendredi 23 mars 2018

Partnerschaft in der Mission | partizipatorisch, integrativ, interdependent


Die Art und Weise partnerschaftlicher Zusammenarbeit in der interkulturellen Missionsarbeit entscheidet darüber, ob unser Engagement nachhaltigen Erfolg hat. Es geht aber nicht nur um das praktische Gelingen, sondern auch um eine biblisch-theologisch verantwortbare und begründbare Form der Partnerschaft. Seit Jahren haben wir uns im Rahmen unserer Arbeit in Mali für eine „integrativ-partizipatorische Partnerschaft“ stark gemacht, weil wir davon überzeugt sind, dass sie am ehesten den biblischen Werten der Koinonia (Gemeinschaft) entspricht und ...
am ehesten dazu geeignet ist, den negativen Auswirkungen paternalistisch-kolonialer Entgleisungen und den entstandenen Parallelstrukturen zu begegnen. Deshalb lohnt es sich, am Modell der partizipatorisch-integrativen Partnerschaft  festzuhalten und dafür zu kämpfen, und sie nicht durch leichter zu habende Lösungen zu überlagern oder zu verwässern. Wir brauchen Überzeugungen, damit die Art unserer Zusammenarbeit nicht dem Zufall (... hat sich so ergeben) oder pragmatischer Willkür (... wir machen das jetzt anders, weil der bisherige Weg zu schwierig war) ausgeliefert ist.

Integrativ-partizipatorische Partnerschaft zu verwirklichen ist mühevoll. 
Sie ist nicht einfach zu haben und sie birgt in der Praxis die Gefahr, als westlicher Missionar von einheimischen Strukturen vereinnahmt und erdrückt zu werden.
Die genannte Erfahrung führt dann häufig dazu, sich pragmatisch aus der Affäre zu ziehen und Parallelstrukturen aufzubauen, die mehr Freiheit, Eigenständigkeit und das schnellere Erreichen von Zielen versprechen. Dies ist einerseits verständlich, ich stehe dem aber aus theologischen Gründen und wegen der nachhaltigen Entwicklung und Akzeptanz unseres missionarischen Engagements skeptisch gegenüber.
Es geht um eine erneuerte christusgemäße Einheit in der Zusammenarbeit, die in der Geschichte unter dem beiderseitigen Streben nach Dominanz gelitten hat. Integrativ-partizipatorische Partnerschaft ist aus meiner Sicht auch ein Akt der Demut gegenüber den Fehlentwicklungen in der Missionsgeschichte. 
Christus reist die Mauern der Separation ein (Eph 2,14). Er durchkreuzt etablierte Parallelwelten und ermahnt uns, wenn wir uns wieder in sie zurückziehen wollen (Gal 2,11ff). Paulus hat sich auf der Grundlage dieser Tatsache vehement dafür eingesetzt, dass sich die traditionelle Theologie erneuert und kulturelle, soziale, ethnische und religiöse Grenzen innerhalb der Gemeinde aufgehoben werden. Judenchristen und Heidenchristen, als heterogene unterschiedliche Gruppen, werden integriert in die neue Gemeinschaft in Christus. Das ist gelebte Koinonia als integrativ-partizipatorische Partnerschaft in der Gemeinde. Christus hat den Preis für die Erneuerung (Integration) des Zusammenlebens mit seinem Leben bezahlt. Deshalb muss uns die gelebte, partnerschaftliche Einheit in Christus im interkulturellen Kontext etwas wert sein, für das es sich "abzumühen" lohnt. 
Das Konzept der Koinonia (griech., innige seinshafte Verbindung, Mit-Sein, Gemeinschaft, Arbeitsgemeinschaft, Glaubens- Geistesgemeinschaft, Besitzgemeinschaft (Apg. 4,32 u.a.), Genossenschaft, Teilhabe als Anteilgeben und Anteilnehmen, Zusammenhalt, Beteiligung) ist umfassend und anspruchsvoll. Das ekklesiologische Konzept der Koinonia entspricht auf der soziologischen bzw. missionspraktischen Seite dem, was wir mit Integration, Partizipation und Interdependenz wiedergeben können. 
In 1Kor 12,12ff illustriert Paulus die Umsetzung der Koinonia mit dem Bild des menschlichen Körpers. In der Koinonia hat das Gemeinsame (koinos) Vorrang vor dem Eigenen (idios). Die gemeinsame, in der Gemeinschaft entstandene Idee und deren Umsetzung steht über der individuellen Vision und den Ideen, die von außen kommen. Die gegenseitige Rücksichtnahme hat Priorität vor dem schnellen Erreichen der Ziele, die von Starken eingebracht werden. In der Philosophie des Platonismus wird die Koinonia sogar als heils- und lebensnotwendig für den Erhalt des Zusammenlebens bezeichnet. Koinonia ist Rettung. Die Erhaltung der Gemeinschaft wird zurückgeführt auf die Ordnung im Weltall (Kosmos) und die seinshafte Gemeinschaft des Menschen mit Gott.


Der theologischen Qualität der Gemeinde als Koinonia muss konsequenterweise eine praktische Qualität entsprechen, die als verbindliche Vorgabe für gelebte Partnerschaft fungiert. Aus diesem Grunde ist die Umsetzung integrativ-partizipatorischer Partnerschaft in der interkulturellen Zusammenarbeit aus meiner Sicht weniger eine Option (Möglichkeit), sondern vielmehr eine Obligation (Verpflichtung), weil sie die Qualität der Koinonia als grundlegenden Wert in der Praxis am ehesten spiegelt und den Fortbestand gemeinsamer Initiativen am ehesten ermöglicht. 

Die erwähnten Konzepte, die dem partnerschaftlichen Miteinander mit meinen Kollegen in der Missionsarbeit vor Ort zugrunde liegen und die Qualität der Partnerschaft prägen sollen, möchte ich etwas näher erklären:

Integration. (lat. integratio, Erneuerung oder Wiederherstellung einer Einheit) Bei der Integration geht es um den Einbezug bzw. Einbindung von Menschen und Strukturen, die  bisher nebeneinander existiert haben. Durch dieses Einbeziehen entsteht ein neues, bereicherndes Miteinander. Auch der konkrete Lebensstil soll in den sozialen Bezügen des alltäglichen Miteinanders integriert werden. Es wäre eine Illusion zu glauben, dass Arbeitsgemeinschaft und Lebensgemeinschaft als Formen glaubwürdigen christlichen Zeugnisses voneinander getrennt werden könnten. Die gegenseitige Wertschätzung und Nachhaltigkeit der Arbeit wird am ehesten gewährleistet, wenn sie sich in Strukturen vollzieht, die vor Ort entstanden und akzeptiert sind. So wie Paulus setzen wir uns dafür ein, dass lokale Strukturen entstehen. Wir integrieren unsere Talente und stellen sie Partnerorganisationen und Gemeinden zur Verfügung, sind aber von unserem Selbstverständnis als Missionare allein abhängig von unserm Herrn.
In der Pionierphase einer Arbeit kann es durchaus die Struktur der Missionsgesellschaft sein, in die hinein einheimische Mitarbeiter integriert werden. Doch langfristig ist es wünschenswert, dass eigenständige, der Kultur angepasste Strukturen entstehen, die es dem Missionar ermöglichen „sich zu integrieren“ in eine Werte- Lebens- und Arbeitsgemeinschaft. In diesem Fall öffnet sich der einheimische Partner für den Gast. Er nimmt ihn an die Hand, er lädt ihn ein und gibt ihm die Möglichkeit, seine speziellen Gaben, Perspektiven und Ideen einzubringen. Respekt und gegenseitige Ergänzung prägen den  dynamischen Prozess der Integration. Stück für Stück wachsen Menschen, Ideen und Methoden zu einer neuen Einheit zusammen, die jeden der beteiligten Partner bereichert. Für die Sozialisation des „fremden Missionars“ ist der integrative Prozess wichtig, um der Gefahr der Separation und Exklusion zu begegnen. Zur Integration gehört die Aneignung von Wissen und Sprachkompetenz in der fremden Kultur (Kulturation), die Beteiligung an der Verwirklichung gemeinsamer Aufgaben (Platzierung), der Aufbau und die Stärkung sozialer Beziehungen (Interaktion) und die Entwicklung eines emotionalen Zugehörigkeitsgefühls (Identifikation). Je mehr die Entwicklung  der vier genannten Kategorien im Rahmen persönlicher Beziehungen und gemeinsamer Arbeitsplattformen voran schreitet, um so mehr wird Vertrauen entstehen und konstruktive Kooperation gelingen. Anpassung und Eingliederung in fremde oder neue Strukturen bedarf der Akzeptanz der eigenen Schwachheit. 
Es gilt in der Kooperation zwischen Integration und Assimilation zu unterscheiden. Bei der Integration geht es um allmähliche Annäherung und teilweisen Verzicht z.B. auf strukturelle Eigenständigkeit auf Arbeitsebene und die Eingliederung in bestehende Systeme (teilweise Systemintegration). Die Anpassung persönlicher und kultureller Eigenarten (Sozialintegration) wird nicht erzwungen, sondern freiwillig vollzogen, soweit es die Harmonie in der Zusammenarbeit und das persönliche Wohlempfinden in der fremden Kultur erfordert. Missionsgesellschaften verzichten, eigene Strukturen aufzubauen, weil sie überzeugt sind, dass die Integration in einheimische oder gemeinsam geschaffene Strukturen die Akzeptanz und Nachhaltigkeit der Arbeit eher garantieren. Integration funktioniert aber nur, wenn beide Partner im Umgang miteinander Flexibilität zeigen und offen werden für die Bereicherung des Anderen. Der Missionar als Person legt gewohnte Verhaltensweisen ab, passt sich an, verändert Denkweisen und Wege der Entscheidungsfindung, weil er merkt, dass so mehr Vertrauen entsteht und das Miteinander harmonischer verläuft.
Bei der Assimilation besteht die Erwartung, dass der Gast seine kulturellen Eigenarten und Arbeitsstrukturen vollständig aufgibt und sich anpasst.    
Andererseits bilden für einige Integration und Akkulturation Synonyme. Persönlich halte ich die Akkulturation für ein umfassenderes Konzept, wo sich unterschiedliche Kulturen einander anpassen und so den Kulturwandel ermöglichen. Ich denke, Missionare sollten sich nicht zu "Agenten des Kulturwandels" hochstilisieren, sich aber wohl bewusst sein, dass jegliche interkulturelle Begegnung ganz automatisch Kultur verändert. Jeder Partner soll frei sein, selber zu entscheiden, welche Eigenarten und Werte er von dem anderen übernehmen möchte.

Partizipation. (lat., pars-capere; Teilhabe, Beteiligung, Teilnahme) Dies bedeutet zunächst, dass ich den missionarischen Auftrag als Teilhabe an Gottes Mission in der Welt begreife. Darüber hinaus bin ich in einer mir fremden Kultur unterwegs und lerne Anteil zu nehmen an den Freuden, Sorgen, Potentialen und Bedürfnissen der Menschen, denen ich begegne. Ich beteilige mich an Initiativen, die vor Ort von den Menschen im Gastland entwickelt werden. Die Einladung zur Mitwirkung in vorhandenen Strukturen nehme ich an. Andererseits habe ich als Missionar auch die Freiheit, auf der Basis gewachsenen Vertrauens, eigene Vorschläge einzubringen. Die Verwirklichung basiert in diesen Fällen aber auf der Einbeziehung und Teilhabe einheimischer Mitarbeiter in vorhandenen oder neu entstandenen, gemeinsam entwickelten Strukturen. Partizipation bedeutet, dass alle beteiligten Partner sich als Geschwister ernst nehmen, sich gleichberechtigt einbringen, mitreden, mitbestimmen und den Erfolg des gemeinsam Erreichten feiern können.

Interdependenz. (lat. inter-dependere; wechselseitige Abhängigkeit). Die an der Partnerschaft beteiligten Partner wissen um ihre Eigenart, um ihre Stärken und Schwächen. Sie sind sich ihres Selbst bewusst. Interdependenz bedeutet, dass eigenständige Partner in dem Bewusstsein kooperieren, gemeinsam und in wechselseitiger Abhängigkeit den Leib Jesu abzubilden und im Erfolg und Misserfolg zueinander zu stehen. Keiner soll sagen, dass er es ohne den anderen schafft; keiner soll Angst haben, dass er im Moment der Schwäche vom Stärkeren fallen gelassen wird. Die Partner wissen um die Notwendigkeit der Ergänzung, sie profitieren voneinander und wissen, dass sie langfristig nicht ohne den anderen zum Erfolg kommen können. Sie entwickeln einen gemeinsamen Arbeitsrhythmus, der darauf bedacht ist, dass beide Partner gleichzeitig ankommen.

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