vendredi 10 novembre 2017

Mali | Frieden. Versöhnung. Mediation

Gestern hatte ich die Gelegenheit mit dem Generalsekretär der hiesigen Ev. Allianz in Mali über das friedenspolitische Engagement der evangelischen Christen in Mali zu reden. Er war lange Zeit Lehrer und hat dann nach seiner Hinwendung zum christlichen Glauben eine theologische Ausbildung absolviert.

Wir kennen uns schon länger. Das gewachsene Vertrauen ermöglichte ein offenes, interessantes und aufschlussreiches Gespräch. Die Christen hier verstecken sich nicht, auch wenn sie in der Minderheit sind.  Die Ev. Allianz Malis ist sowohl in Plattformen vertreten, wo der interreligiöse Dialog kultiviert wird, als auch in Mediationsprozessen engagiert, wo es darum geht, die Umsetzung von Friedensabkommen zu begleiten, oder das zu harte Vorgehen der Justiz gegen Christen anzuprangern. Die Mitarbeit bezieht sich auf Kommissionen, die vom Staat initiiert wurden, aber auch auf unabhängige zivile Plattformen.
Bei dem interreligiösen Dialog geht es nicht darum, die eigenen Positionen zu verwässern. Es handelt sich vielmehr um Gesprächsforen, bei denen moderate Muslime, die sich übrigens in Mali immer noch in der Mehrheit befinden, mit Katholiken und Protestanten über gesellschaftliche Themen ins Gespräch kommen und eine Gesprächskultur gepflegt wird, die den Austausch unterschiedlicher Positionen fördert, aber auch die kontroverse Debatte nicht scheut. Dies dient dazu, das Verständnis füreinander zu schärfen und Konflikte vorzubeugen. Dabei werden auch Positionen bezogen, die sich gegen die radikalen muslimischen Strömungen im Land wenden. Der aktuelle Konflikt beruht nicht auf interreligiösen Kontroversen zwischen Christen und Muslimen, sondern hat seine Wurzeln in intrakonfessionellen Auseinandersetzungen innerhalb der muslimischen Gemeinschaft in Mali, wo sich radikale und moderate Positionen gegenüberstehen. Diese werden durch ethnische Konflikte und politische Ambitionen verschärft.
Mein Gesprächspartner ist oft im Land unterwegs, auch in Krisengebieten. Er geht dorthin, wo Christen unter der Bedrohung durch radikale islamistische Strömungen leiden und wo Menschen Opfer von islamistischer Gewalt wurden. Er leitet seine Beobachtungen an staatliche Stellen und internationale Gremien weiter und spart dabei nicht mit Kritik am Staat, wo dies angebracht ist. Ich wollte wissen, warum es dazu kommt, dass sich immer mehr Jugendliche im Zentrum Malis von den radikalen Islamisten einfangen lassen? Seine Antwort war einleuchtend. Die staatliche Administration saugt die Leute aus. Abgaben werden erpresst. Korruption ist an der Tagesordnung. Die Beamten werden auf diese Tour reich, die Bevölkerung bleibt verarmt zurück. Das erzeugt Unmut und treibt die Jugend in die Arme der Radikalen, die versprechen, dass nur ein islamischer Staat und die Scharia Abhilfe schaffen können. Dabei spielt auch die islamistische Vergangenheit seit dem 19. Jahrhundert eine Rolle, wo in der Region Mopti ein islamisches Reich existierte, was neu belebt werden soll.Ich war erstaunt, wie vielseitig und konkret die Ev. Allianz Malis sich friedenspolitisch engagiert.

Wir tauschten Ideen darüber aus, wie die FATMES als theologische Ausbildungsstätte den Friedens- und Versöhnungsprozess unterstützen kann – z.B. Konferenzen mit den politischen Führern und Sicherheitsorganen des Landes, Seminare, um die Jugend zu sensibilisieren, der Aufbau eines Ausbildungsprogramms, das der Krisenprävention dient und Jugendlichen hilft, die Entstehung von Krisen in ihrem Kontext zu verstehen und ihnen mit der Hilfe von christlichen Werten zu begegnen.