Donnerstag, 10. August 2017

Mali | Spielfeld der Linguisten

Mali hat ca. 18,6 Millionen Einwohner. Seine Fläche beträgt 1.24 Millionen Quadratkilometer. Damit ist Mali 3,5 Mal so groß wie Deutschland. 15 Personen wohnen durchschnittlich auf einem Quadratkilometer. Jedoch ist wegen der weiten Savannen- und Wüstenlandschaften vorwiegend der Süden des Landes besiedelt. Und jetzt kommt der Clou. Die Linguisten zählen in Mali lt. der Plattform Ethnologue - Languages of the World, 66 verschiedene Sprachen und Dialekte. Das ist der Hammer. Die Zahl alleine zeigt, ...
welche enorme kulturelle Vielfalt in diesem größten Land in Westafrika steckt. 

Im Osten des Landes leben z.B. die Dogon. Einige von ihnen, ca. 2.900, sprechen Toro Tegu, das sich von den anderen Varianten der Dogonsprache unterscheidet. Dagegen erscheint das von 8 Millionen Maliern gesprochene Bamanakan (Bambara) geradezu als Weltsprache. Zwar ist Französisch, wegen der kolonialen Vergangenheit, die offizielle Amtssprache, doch als Alltagssprache spielt es nur eine untergeordnete Rolle.
Wörter und sprachliche Formen spiegeln die Kultur einer Volksgruppe. Je mehr Sprachen es also gibt, umso größer und reichhaltiger ist die kulturelle Diversität. Natürlich gibt es aufgrund der linguistischen Nähe innerhalb der Sprachfamilien auch kulturelle Gemeinsamkeiten. Es ist für jeden, der die malische Kultur kennen lernen möchte, eine große Herausforderung, denn die Sprache ist der wichtigste Weg zu den Herzen und zur Denkweise der Menschen. Mali ist ein riesiges Spielfeld für Sprachforscher. 
Wenn wir in Deutschland unterwegs sind, werden wir oft gefragt: „Wie geht es euch in Afrika“? Natürlich wissen wir, was mit der Frage gemeint ist. Doch die meisten Deutschen ignorieren die kulturelle Vielfalt des riesigen afrikanischen Kontinents. Während in Deutschland Menschen sich vorwiegend über materielle Werte und technologischen Fortschritt definieren, sind in Mali die ethnische Zugehörigkeit und die kulturelle Identität von großer Bedeutung. Offiziell sind alle Malier erst einmal Angehörige ihrer malischen Nation, doch inoffiziell bildet die Zugehörigkeit zur Familie, zum Klan und zur eigenen Ethnie die eigentliche Grundlage ihrer Identität.