Mittwoch, 20. Januar 2016

Koulikoro | Besuch im Hochsicherheitstrakt

Seit November letzten Jahres hat sich die Situation im Gefängnis der Garnisonsstadt Koulikoro verändert. Koulikoro liegt ca. 65 km von der malischen Hauptstadt Bamako entfernt. Hier sitzen einige Jihadisten ein, die im hohen Norden Malis gefangen genommen und von einem Gericht in Bamako zu langen Haftstrafen verurteilt wurden. Aus Sicherheitsgründen mussten wir unsere Arbeit mit den Insassen unterbrechen. Wir sind jedoch dankbar, dass unser Kollege mit einem kleinen Team einen Weihnachtsgottesdienst abhalten und Essen verteilen konnte.
Gemeinsam waren wir letzten Mittwoch unterwegs in Koulikoro. Bei unserem Besuch in der großen vergitterten Gemeinschaftszelle wurden wir von Wachpersonal begleitet. Auch das ist eine Änderung im Vergleich zu den Besuchen im letzten Jahr. Während der Andacht beobachten wir, dass hellheutige Gefangene uns zuhören. Es sind Leute, die offensichtlich einen arabischen Hintergrund haben. Alfred predigt an diesem Morgen über die Sternsucher aus dem Orient, die sich auf die Suche gemacht hatten, um dem „König der Juden“ zu begegnen. Die Atmosphäre war wie immer von Aufmerksamkeit geprägt. Die Jihadisten werden in ihren Einzelzellen eingeschlossen und dürfen sich nicht mit den anderen Gefangenen treffen. Trotzdem können sie hören, was wir sagen, und wir hoffen, dass Gott auch ihre Herzen mit seinem Wort erreicht.
Am Ende unserer Zeit in der Anstalt begrüßten wir den erkrankten Krankenpfleger, mit dem Christiane zusammenarbeitet. Er selber ist Gefangener, der wegen Beteiligung am Völkermord in Ruanda in Mali seine Strafe absitzt. Unser Gebet für und mit ihm, hat ihn ermutigt. Beim Abschied ruft uns einer der Mitgefangenen aus Ruanda zu: „Das nächste Mal kommt auch zu uns, um mit uns die Bibel zu lesen!“ Gerne würden wir das tun, aber bisher hat der Lagerkommandant noch kein grünes Licht gegeben.
Mali verändert sich. Die Sicherheitslage ist nach wie vor nicht unter Kontrolle. Gerade deshalb sind wir Gott umso mehr dankbar für die Möglichkeiten, die sich uns bieten. Wir wollen sie nutzen so lange es geht.